Flyway, Sea-Doo Rise, Searider, Narke, Overboat: Über all diese Elektro-Jetskis haben wir berichtet, als sie neu angekündigt wurden. Keinen davon haben wir je bei einem Kunden gesehen. Hier liest du, was versprochen war, was wir selbst erlebt haben und woran du erkennst, ob ein Elektro-Jetski wirklich kommt.
Von Andreas Lakeberg — E-SURFER-Gründer, Elektro-Wassersport-Experte seit 2017 und Vorstandsmitglied der Global Foil Board Sports Association (GFA)
Stand: Oktober 2026
Warum kommen so viele Elektro-Jetskis nie auf den Markt?
Weil ein Elektro-Jetski sehr viel Leistung braucht und damit große, schwere und teure Akkus. Viele Hersteller haben deshalb Prototypen gezeigt, Reservierungen angenommen und Liefertermine immer wieder verschoben. Von den fünf Projekten in diesem Artikel ist uns keine reguläre Auslieferung bekannt, obwohl alle mit Daten, Preisen oder Videos angekündigt waren.
Wir beobachten den Markt seit 2017 und haben über jedes dieser Projekte berichtet, als es neu war. Das Muster war fast immer gleich: Premiere auf einer Messe oder in einem Video, dann „nach wenigen Tagen ausverkauft“, danach lange Stille. Schon 2021 warteten Kunden, die bei Narke angezahlt hatten, monatelang auf ihre Auslieferung.
Hydrofoil-Konzepte wie der Flyway oder das Overboat sollten das Akku-Problem lösen. Sobald das Fahrzeug auf dem Unterwasserflügel abhebt, braucht es bis zu 70 Prozent weniger Energie, weil kaum noch Wasserreibung entsteht. Auf den Markt geschafft hat es trotzdem keines.
Was war der Flyway?
Der Flyway war ein Stand-up-Elektro-Jetski mit Hydrofoil aus Slowenien, 2021 angekündigt von David Vukovič (Flying Rodeo, HighFly Watersport). Er sollte 14.500 Euro zuzüglich MwSt. und Versand kosten und war laut Hersteller schon nach zwei Tagen ausverkauft. Ausgeliefert wurde er nie.

Was angekündigt war:
- Propellerantrieb wie bei einem eFoil, kein Jetantrieb – der Hersteller nannte ihn deshalb auch Wasser-Scooter
- Steuerung über einen Lenker mit Ruder statt über Gewichtsverlagerung
- Display für Geschwindigkeit und Akkustand, dazu ein Bluetooth-Lautsprecher
- Zerlegbar für den Transport im Kofferraum
- Zwei Modelle, „Classic“ und „Premium“ – die Unterschiede wurden nie veröffentlicht
Ende Oktober 2021 waren wir zu einer Probefahrt in Kroatien eingeladen. Sie wurde kurzfristig abgesagt. Es gab nur einen Prototyp, getestet haben wir den Flyway nie.
Was ist aus dem Sea-Doo Rise geworden?
Der Sea-Doo Rise war ein Elektro-Hydrofoil von BRP, dem Konzern hinter Sea-Doo. Vorgestellt 2022, angekündigt für 2024: großes Board, einklappbare Lenkstange, verstellbarer Mast – Jetski, Jetboard und eFoil in einem. Technische Daten und einen Preis hat BRP nie veröffentlicht. Ausgeliefert wurde der Rise bis heute nicht.

Gedacht war der Rise für Einsteiger und für den Verleih. Mit eingeklapptem Mast fährt man auf der Wasseroberfläche, mit ausgefahrenem Mast hebt man ab. Wir waren schon 2022 skeptisch: Solche Alles-in-einem-Geräte können vieles ein bisschen, aber nichts so gut wie ein Gerät, das nur für eine Aufgabe gebaut ist. Auffällig war auch, dass die Werbekampagne zwei Jahre vor dem angekündigten Marktstart begann.
Was ist der Searider?
Der Searider ist ein elektrisches Aqua Bike, eine Art Motorrad fürs Wasser, vorgestellt im Januar 2024 auf der boot in Düsseldorf. Entwickelt hat es das Team hinter dem ESURF-Jetboard mit Sitz in Monaco. Angekündigt war es für Sommer 2024, zu Preisen ab 22.800 Euro ohne Steuern und Versand. Eine Auslieferung an Kunden ist uns bis heute nicht bekannt.

Geplant waren zwei Modelle: der sportliche Searacer und der Seacruiser im Retro-Design, der ein wenig an einen Vespa-Roller erinnerte. Beide hatten zwei Jetantriebe, jeder mit einem eigenen, 15 kg schweren Wechselakku – baugleich mit dem Akku des ESURF-Jetboards. Ohne Akkus wog das Aqua Bike 35 kg und sollte in einen SUV mit umgeklappter Rückbank passen, ganz ohne Trailer.
| Searacer | Seacruiser | |
|---|---|---|
| Leistung | 45 PS (33 kW) | 30 PS (22 kW) |
| Höchstgeschwindigkeit | 77 km/h | 55 km/h |
| Laufzeit | bis 50 Minuten | bis 90 Minuten |
| Gewicht mit Akkus | 65 kg | 70 kg |
Auf der Messe wollte ich vor allem wissen, wie man aufsteigt, denn im Stand würde so ein Bike umfallen. Die Antwort: Der Searider sinkt bis zur Sitzbank ein, der tiefe Schwerpunkt hält ihn aufrecht, und beim Gasgeben wird man wie beim Wasserski aus dem Wasser gehoben. Später stand der Searider auch auf dem Cannes Yachting Festival. Probefahrten wurden aber weder dort noch danach angeboten.
Was wurde aus Narke und Overboat?
Beide haben es nie auf den Markt geschafft, obwohl wir beide selbst fahren konnten. Narke aus Ungarn zeigte seinen ersten Elektro-Jetski 2018 und nahm 2021 Reservierungen für den GT95 ab 39.000 Euro an. Das Overboat war ein Hydrofoil-Jetski für ein oder zwei Personen. Ausgeliefert wurde nach unserem Wissen keines von beiden.
Den Narke-Jetski haben wir auf der Messe Boot & Fun in Berlin getestet. Der erste Narke wurde 2018 auf dem Cannes Yachting Festival vorgestellt, der Nachfolger GT95 sollte 95 PS haben, über 70 km/h erreichen und bis zu 50 km weit kommen.

Das Overboat sind wir im September 2021 auf dem Cannes Yachting Festival gefahren. Es glitt elegant über das Wasser und hat als Ein- oder Zweisitzer Spaß gemacht. Sprünge oder schnelle Manöver waren damit aber nicht möglich.
Woran erkennst du, ob ein Elektro-Jetski wirklich kommt?
Am sichersten daran, dass du ihn probefahren kannst und ein Händler ihn mit festem Liefertermin anbietet. Ein Video, eine Messepremiere oder eine Reservierung gegen Anzahlung reichen nicht. Alle fünf Projekte in diesem Artikel hatten mindestens eines davon, eine Auslieferung an Kunden ist uns aber bei keinem bekannt.
- Probefahrt bei einem Händler oder Testcenter, nicht nur im Werbevideo
- Fester Liefertermin statt „im Frühjahr“ oder „nächste Saison“
- Vollständige technische Daten: Leistung, Akku, Laufzeit, Gewicht
- Service vor Ort: Wer repariert, wer liefert Ersatzteile?
- Anzahlung erst, wenn das Modell bereits an Kunden ausgeliefert wird
Welche Elektro-Jetskis gibt es heute wirklich?
Uns sind derzeit zwei Elektro-Jetskis bekannt, die tatsächlich an Kunden ausgeliefert werden: der Taiga Orca aus Kanada und der ROXEN. Der ROXEN wiegt nur 79 kg und kommt ohne Trailer aus. Welche Modelle wir führen, siehst du in unserer Übersicht der Elektro-Jetskis.
Wer lieber steht als sitzt, findet bei Jetboards und eFoil-Scootern weitere Alternativen. Über den Hydroflyer, einen eFoil-Scooter mit Lenker, gibt es bei uns einen eigenen Artikel.